Grüne Spitzenkandidaten: Zwei Weltbürger auf dem Weg nach Brüssel

Dr. Pierrette Herzberger-Fofana und Andrej Novak kamen auf Einladung des Grünen-Kreisverbands nach Roth — Thema Ukraine und Flüchtlinge

Dr. Perriette Herzberger-Fofana und Andrej Novak warben in Roth für die Europawahl am 25. Mai. Foto: Schmitt

Dr. Perriette Herzberger-Fofana und Andrej Novak warben in Roth

für die Europawahl am 25. Mai. Foto: Schmitt


Schwabacher Tagblatt, 16.Mai 2014

VON ROBERT SCHMITT
  LANDKREIS ROTH — Sie ist in Mali geboren und im Senegal aufgewachsen. Sie hat in Paris, Trier und Erlangen studiert, ist Französisch- Lehrerin an einem Erlanger Gymnasium und lebt seit 1972 in der Bundesrepublik. Er hat kroatische und russische Vorfahren, spricht vier Sprachen und hat als Politikwissenschaftler den Schwerpunkt Osteuropa. Ferner hat er lange in Russland und Großbritannien gelebt. Dr. Pierrette Herzberger-Fofana und Andrej Novak könnte man fast als Weltbürger bezeichnen. Die mittelfränkischen Grünen wollen sie deshalb ins Europaparlament schicken. In Roth sind die beiden Spitzenkandidaten für Mittelfranken bei einer Veranstaltung des Kreisverbands Roth erstmals gemeinsam aufgetreten.

  Andrej Novak erwies sich in der Diskussion über die Ukraine als exzellenter Kenner der Ära Putin in Russland. „Er raubt das Land aus, bestiehlt sein Volk und zettelt die Unruhen in der Ukraine ausschließlich an, um seine Macht zu erhalten“, lautete Novaks Einschätzung zum russischen Präsidenten. „Er hat in seinem Land eine lupenreine Kleptokratie errichtet“, also eine Herrschaft der Diebe und Plünderer, sagte der Politologe. Wenn sich nun aber im Nachbarland Werte wie Demokratie, und Meinungsfreiheit durchsetzten, könnte das leicht auf Russland überspringen, meinte Novak und forderte eine langfristige Unterstützung der Maidan-Bewegung in der Ukraine.
  Der Ukraine helfen
  „Die proeuropäischen Kräfte zu stärken und eine EU-Perspektive zu eröffnen, um der Ukraine auf dem Weg zu einem demokratischen Gemeinwesen zu helfen“, lautete Andrej Novaks Empfehlung für den Westen. Alles andere würde die rechten Kräfte dort stärken und Russland in die Hände spielen, war er überzeugt. Zum Thema Freihandelsabkommen mit den USA fasste sich Novak relativ kurz, warnte vor „TTIP“ aber mit ebenso deutlichen Worten wie viele seiner regionalen Parteifreunde. „Dieser Vertrag gefährdet die Errungenschaften von 150 Jahren Arbeitnehmerbewegung ebenso wie die von 50 Jahren Umweltbewegung“, war Novak überzeugt.
  Pierrette Herzberger-Fofanas Fachgebiet ist die europäische Flüchtlingspolitik. Sie prangerte das Verhalten der EU im Mittelmeer an und verlangte eine Flüchtlingspolitik, die sich an den Menschenrechten orientiert. „Gegenwärtig werden sie kaltblütig in den Tod getrieben.“ Deshalb müsse „Frontex“, die europäische Grenzsicherungsbehörde, abgeschafft und durch ein Amt ersetzt werden, das Flüchtlinge „fair, sicher und menschenrechtskonform behandelt“, so Herzberger-Fofana. „Die Asylpolitik muss noch stärker nach gemeinsamen Regeln ablaufen.“ Ihrer Meinung nach brauchen Flüchtlinge in der EU mehr Chancen, so insbesondere von Anfang an einen Zugang zu Arbeit, Bildung und Gesundheitsversorgung. In Deutschland müssten die Residenzpflicht und die Essenspakete abgeschafft werden.
 
 Hand in Hand mit Regierung

  Als Ursachen der großen Flüchtlingswellen aus Afrika sah sie einerseits die koloniale Vergangenheit und die moderne westliche Industrie an. Zugleich ging sie aber auch hart mit den Herrschenden ins Gericht. „Die Konzerne plündern Hand in Hand mit den Regierungen die afrikanischen Bodenschätze aus“, sagte Herzberger-Fofana. „Diese Ausbeutung zwingt die Menschen, ihr Land zu verlassen.“

 

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Copyright (c)2014 Verlag Nuernberger Presse, Ausgabe 16.05.2014



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