Antrag: Neubau für den Hort - ressourcenschonend und klimaneutral

eingereicht im April 2025

Antrag:

Der Marktgemeinderat hat beschlossen, mit einem Neubau auf dem Gelände der Mittelschule die zusätzlich benötigten Hortplätze schaffen zu wollen. Dafür soll die bestehende Haus-meisterwohnung abgerissen werden. In diesem Zusammenhang stellen wir folgenden Antrag:

Der Marktgemeinderat beschließt:

  • Die Verwaltung wird beauftragt, vor dem Abriss eine digitale Bestandsaufnahme der wiederverwertbaren Baumaterialien durch ein dafür geeignetes Unternehmen durch-führen zu lassen. Bei gegebener Wirtschaftlichkeit veranlasst sie den Verkauf der wiederverwertbaren Baumaterialien.
  • Der Neubau für den Hort wird als Null-Emissions-Gebäude nach den Prinzipien des zirkulären Bauens umgesetzt.
  • Folgende Kriterien sind bei der Planung und Ausführung zu berücksichtigen:
    • Verwendung nachhaltiger, recycelter und recyclingfähiger Baumaterialien
    • Vollständige Deckung des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energiequellen
    • Optimierung der Energieeffizienz im Gebäudebetrieb
    • Erstellung eines Materialkatasters zur Dokumentation aller verbauten Materialien
    • Rückbaubare Konstruktionen, die eine spätere Wiederverwendung oder hochwertige Verwertung der Materialien ermöglichen
  • Die Verwaltung wird beauftragt, bei der Ausschreibung entsprechende Kriterien fest-zulegen und ggfs. Fachplaner mit Expertise im Bereich zirkulären Bauen hinzuzuziehen.
  • Für das Projekt sind alle verfügbaren Fördermittel von Bund, Land und EU zu beantra-gen, die für innovative und klimafreundliche Bauvorhaben zur Verfügung stehen.


Begründung:

Die Klimakrise und eine zunehmende Ressourcenknappheit stellen uns vor große Herausfor-derungen. Der Bausektor steht dabei besonders im Fokus: Er ist in Deutschland für etwa 40 % der CO2-Emissionen und 55 % des gesamten Abfallaufkommens verantwortlich. Jährlich werden Millionen Tonnen an Baumaterialien entsorgt, die eigentlich wiederverwendet werden könnten.

Mit dem geplanten Hortneubau hat unsere Gemeinde die Chance, Vorreiter für zukunfts-weisendes Bauen zu werden. Das Konzept des zirkulären Bauens, bei dem Materialien im Kreislauf gehalten und immer wieder genutzt statt entsorgt werden, bietet dabei ökologische und ökonomische Vorteile:

  • Indem Rohstoffe und Materialien aus dem Altbau wiederverwendet werden, reduziert das nicht nur Abfallmengen, sondern auch die Kosten für Abriss und Entsorgung.
  • Die Umsetzung als Null-Emissions-Gebäude ist ein wichtiger Beitrag für den Klima-schutz und sorgt gleichzeitig für niedrigere Betriebskosten. Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) schreibt „zero emissions“ ab 2028 ohnehin für neue öffentliche Gebäude vor.
  • Durch das Verwenden von Recycling-Baustoffen (bspw. R-Beton) werden primäre Rohstoffe wie Steine, Kies und Sand, deren Ressourcen zunehmend knapper werden, geschont. Ihr Abbau ist meist mit erheblichen Eingriffen in den Natur- und Landschafts-haushalt verbunden. Bei Recycling-Baustoffen ist eine hochwertige Qualität sowohl in umwelttechnischer als auch in bautechnischer Hinsicht gewährleistet.
  • Ein Gebäude von vornherein so zu planen, dass sich am Ende der Nutzungszeit die Materialien wiederverwerten lassen, schont Ressourcen und das Klima: 20 bis 50 % der Gesamtemissionen eines Gebäudes entfallen auf das Gewinnen von Rohstoffen, auf Herstellung, Transport, Bau und Abriss.
  • Kreislauffähiges Bauen kann den Immobilienwert um bis zu zehn Prozent im Vergleich zu konventionellen Gebäuden steigern.


Kurz: Es geht um Klimaschutz, weniger Energieverbrauch, einen sparsamen Umgang mit wertvollen Rohstoffen, und am Ende auch um geringere Kosten: Entscheidend ist, die gesamte Lebensdauer des Gebäudes zu betrachten. Denn die Betriebskosten sind in der Regel um eine Vielfaches höher als die reinen Baukosten!

Materialien in Kreisläufen zu halten, ist in allen Wirtschaftsbereichen notwendig. Es gibt daher eine Reihe von Förderprogrammen auf Bundes-, Landes- und EU-Ebene. Damit lassen sich evtl. Mehrkosten beim Bau teilweise oder vollständig kompensieren. Beispiele sind das Bundes-förderprogramm für effiziente Gebäude (BEG) oder der KfW Zuschuss „Klimafreundlicher Neubau – Kommunen“.

Referenzen:

Antrag zum Download (PDF)



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