Bündnis 90/Die Grünen

im Landkreis Roth

Wasserstoff (H2) als Energieträger

Fakten und Meinung dazu (von Martin Gesell)

PS: Das Thema ist sehr weit, es gibt viele Ansätze, Argumente und auch einiges zu berücksichtigen. Somit kann dies hier nur mal ein kleiner Abriß für den Einstieg sein, die einzelnen Punkte werden hier nicht vollumfänglich behandelt, aber wer mehr zu Wasserstoff wissen möchte, findet hier sicher ein paar Anregungen und auch tiefergehende Links.

Wasserstoff wird immer häufiger als Energieträger oder gar als Lösung für die Energie der Zukunft genannt. Dazu muß man wissen, daß Wasserstoff ja nicht wie Öl oder Erdgas irgendwo einfach "abzubauen" ist, sondern dieser erst aufwendig hergestellt werden muß.

Da der Weg Wasserstoff - aus Erdgas und mit viel Energieaufwand - herzustellen ökologisch keinen Sinn macht (da könnte man auch gleich das Erdgas nutzen), wird meist von "grünem Wasserstoff" gesprochen, damit ist gemeint, daß dieser aus Wasser und Ökostrom hergestellt wird. Es gibt aber keinen übrigen Ökostrom, nicht heute und auch die nächsten 10 Jahre nicht (außer die Regierung - vor allem die bayerische - würde endlich mal von der Bremse gehen).

Nun gibt es von der bayerischen Regierung große Bemühungen Wasserstoff als Energieträger zu etablieren, u.a. auch für die Mobilität. Und man versucht das Thema Wasserstoff in die Breite zu bringen, u.a. indem sehr viel Steuergeld locker gemacht wird um zu forschen, aber auch um schnell Tatsachen zu schaffen (wie z.B. kleinere Wasserstoff-Erzeugungsanlagen, Wasserstoff-Tankstellen über ganz Bayern verteilt und die Anschaffung von wasserstoffbetriebenen LKWs / Nutzfahrzeugen).

Das Thema ist für viele doch noch recht neu, deshalb eine kurze Zusammenfassung von mir und ein paar Links mit weiterführenden Informationen und Einschätzungen:

Wasserstoff als Energieträger - Ist das sinnvoll? Und wenn ja, wo? (Martin Gesell, 04.10.2020)

Hier an noch ein recht aktueller Artikel aus der RHV, 01.10.2020 (eine von vielen eher einseitigen Informationen, welche mich angeregt hat selbst zu informieren)

Zu dem Artikel und weitere Gedanken:

Die H2-Tankstelle wurde überwiegend mit Steuermitteln gebaut (öffentlich zugänglich => 90% Förderung) - gehört nun aber OMV und bringt keinerlei praktischen Nutzen*.
*Es gibt in Deutschland so wenig Wasserstoff-PKW, daß diese in den monatl. Statistiken des Kraftfahrtbundesamtes noch nicht mal erwähnt werden. Es sind inzw. auf Basis vorhandener Daten geschätzt 700 Stück, ca. 0,0015%.

Die meisten Wasserstoff-Fahrzeuge sind Versuchsfahrzeuge oder von Autohändlern zugelassene Vorführer. Dem gegenüber stehen in D mind. 89 H2-Tanktstellen, wovon jede zwischen 1,5 und 3 Mio EUR gekostet hat und ca. zu 50-90% aus Steuergeldern kam. Auch die Wasserstofffahrzeuge werden so hoch gefördert, mit bis zu 21.000 EUR pro Fahrzeug! Wieder überwiegend Steuergelder an Firmen - wie schon bei den H2-Tankstellen.
Nichts gegen Fördergelder für Erforschung neuer Technologien, aber es muß ein sich abzeichnender Nutzen für die Allgemeinheit erkennbar sein. Bei Wasserstoff-Autos ist das auch nach 50 Jahren Forschung noch nicht wirklich zu erkennen (die Technik ist besser geworden, aber längst von anderer Technik überholt).

50 Mio. EUR will der Freistaat da ausgeben, und am Ende gehört fast alles was daraus geschaffen wird Privatunternehmen wie OMV und Linde. Der netzdienliche Mega-Akkuspeicher in Australien (der das Land schon mal vor einem Blackout geschützt hat) hat 2017 umgerechnet ca. 107 Mio. EUR gekostet, seither hat sich der Akkupreis mehr als halbiert, soviel nur mal zum Thema, was man sonst mit dem Geld machen könnte.

Das Kilo Wasserstoff kostet akt. 9,50 EUR - das ist staatl. festgelegt (begrenzt). Mit einem Kilogramm kommen die neuesten Brennstoffzellen-PKW lt. Tests ca. 80-90km weit (Realwerte 73-106km/kg), also bei drschn. 1,07kg auf 100km dann ca. 10,15 EUR. Ein Diesel mit 6,5L Verbrauch kommt auf etwa 8,10 EUR, ein Benziner mit 7,35L auf ca. 9,90 EUR, ein E-Auto mit 16,7kWh ca. 6,35 EUR (an öfftl. Ladesäule). (Verbrauch: Durchschnittswerte aus Spritmonitor.de)
Wieviel Strom man für die Gewinnung dieses Wasserstoffs braucht? Etwa 50-60kWh, mind. 3x soviel wie für's Elektroauto. (Siehe dazu die anhängenden Links.)
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Quellen: Verlinkungen, Wikipedia und Informationen aus div. Quellen die teils unten verlinkt sind. PS: Nachdem ich mich nun ca. 10 Jahre mit alternativen Antrieben und auch H2 beschäftige, sind manche Aussagen auch schlicht aus meinem Gedächtnis/Wissen, stammen aber alle aus frei zugänglichen Quellen.
Achtung! Die Quellenlinks enthalten teils recht lästige Werbung - leider nicht zu ändern.

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LINKS
(neueste am Ende/unten; einige der Links sind bezogen auf die Mobilität, da gerade das der Treiber hinter Wasserstoff ist; jedoch sind dort auch sehr viele Informationen zu Wasserstoffgewinnung allgemein)

Alternative Wasserstoffauto? (wiesoeigentlich.de, 26.09.2016; wie man sieht ist die Erkenntnis nicht neu)

Warum können wir statt dem E-Auto mit Akku nicht auf den Durchbruch von Brennstoffzelle oder Treibstoffen aus Wasserstoff warten?(VCÖ, 2017; auch hier wurd das schon länger erkannt)

Das Märchen vom sauberen Wasserstoff-Auto(emobly, 29.07.2019)

VW-Chef Herbert Diess über Wasserstoff-Autos: „Das ist einfach Unsinn“ (WirtschaftsWoche, 12.09.2019)

Man muss Wasserstoff dort einsetzen, wo er auch Sinn ergibt(WirtschaftsWoche, 05.11.2019)

Well-to-wheel – Verbrenner versus E-Mobil(eemag, 27.12.2019)

Wasserstoff - Der Traum der Ölindustrie (warum unterstützt die Ölindustrie Wasserstofftechnologie) (O. Paschulke, 05.02.2020)

Die Wasserstfoffträumer(eemag, 17.01.2020)

Moving hydrogen from hype to hope(englisch; European Federation for Transport and Environment, 05.02.2020; hier geht es u.a. auch um LKW)
dazu eine Publikation welche u.a. Wassserstoff-LKW mit Akku-LKW vergleicht:
Comparison of hydrogen and battery electric trucks(englisch; European Federation for Transport and Environment, 06.2020)

TIPP! Elektroauto, Diesel oder Wasserstoff - Womit stoppen wir die Klimakrise?(YouTube Video; Volker Quaschning, 28.02.2020)

Chancen und Herausforderungen beim Import von grünem Wasserstoff(Studie Fraunhofer ISI)

Der Wirkungsgrad bei rein batteriegetriebenen Autos ist wesentlich größer(VW Newsroom, 10.03.2020)

Warum Wasserstoff noch lange nicht der Treibstoff der Zukunft ist(Frankf. Rundschau, 28.06.2020)

TIPP!Was gegen Wasserstoff betriebene Fahrzeuge spricht(Beobachter, 20.07.2020; sehr umfangreiche, gute Darstellung)

VDE Studie bewertet Wirtschaftlichkeit klimaneutraler Alternativen zu Dieseltriebzügen(VDE Presse, 21.07.2020)

Batteriezug fährt dem Wasserstoffzug davon(Klimareporter, 31.07.2020)

Haben Wasserstoff-Brennstoffzelllen-Autos eine gläzende Zukunft? (FutureManagementGrop, ohne Datum)

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Noch ein paar Mythen:
- Wasserstoffautos haben hohe Reichweite => mit riesigen Tanks (ca. 150L Volumen) bis ca. 500km (ein deutlich günstigerer Tesla Model 3 LR ca. 400km, Model S P100 ca. 485km)
- Wasserstoff ist sauber => es gibt keine saubere Energie, selbst Ökostrom braucht Kraftwerke, Leitungen; somit ist Wasserstoff mit 3x soviel Ökostrom hergestellt wie es ein E-Auto braucht auch noch weniger sauber; wir haben diese 3-fache Menge Ökostrom nicht und wir können auch nicht 3x soviele Windräder aufstellen. Bisher kommt Wasserstoff zu über 90% aus fossiler Energie, meist Erdgas.
- Wasserstoffauto sind umweltfreundlicher als Batterie-Autos => Ein Wasserstoffauto fährt mit E-Motor, mit einer Brennstoffzellen und - da diese nur relativ konstant Strom erzeugen kann - einem Akku (etwas 20-30% der Größe eines reinen E-Autos); hierzu auch meinen ersten Link-TIPP oben.

Meine persönl. Meinung:

- Wasserstoff für PKW/Lieferwagen/Buss/LKW(Nahverkehr, Mittelstrecke)/Zug ist nicht sinnvoll da zu hoher Energiebedarf und zu hohe Kosten. Bessere Lösungen gibt es hier bereits.
- Wasserstoff ggf. für Flugzeuge und Schifffahrt auf den Meeren - zumind. als Option.
- Eco-Fuel ist übrigens vom Wirkungsgrad nochmal deutlich schlechter und wird ja wiederum verbrannt. Da ist fossiles Erdgas noch sauberer.
- H2-Speicher als Saison-/Langzeitspeicher in größerem Stile weiter verfolgen/forschen; Alternativen dazu ebenfalls.
- H2 als Speichermedium für den Privathaushalt ist ökologisches "mit Kanonen auf Spatzen schießen" (eher was für "Technik-Prepper", die unbedingt autark sein wollen beim Strom / der Energie.) Der Nutzen dürfte überwiegend beim Hersteller und Verkäufer liegen.
- Unser Steuergeld kann man sinnvoller ausgeben als damit überwiegen privatwirtschaftliche H2-Projekte zu fördern ...dort wo man heute schon eine vorteilhafte Technik hat und es zum Marktdurchbruch noch etwas Anschub braucht zum Beispiel.

Gerne dürfen Sie sich für weitere Informationen, Austausch/Diskussion, etc. an mich wenden.

Martin Gesell
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